Internationalisierung
en-GB ≠ en-US: Warum ein englischer Shop in Wahrheit zwei Shops sind
Ein einziger „englischer" Storefront kostet dich Conversion in mindestens einem der beiden wichtigsten englischsprachigen Märkte. Britische und US-Kund:innen erwarten unterschiedliches Vokabular, andere Schreibweisen, andere Maße, eine andere Währung und andere Rechtstexte. Die saubere Lösung sind zwei getrennte Sub-Locales unter Shopify Markets — nicht eine vage „International English"-Variante.
Warum das kein „nice to have" ist
Lokalisierung wird oft als Übersetzungsaufgabe missverstanden. Zwischen britischem und US-Englisch gibt es aber nichts zu „übersetzen" — und genau das ist die Falle. Die Unterschiede sind subtil genug, dass ein generischer Rollout sie übersieht, und sichtbar genug, dass die Zielgruppe sie sofort bemerkt. Ein US-Warenkorb, der „basket" heißt, oder ein britischer Checkout, der nach einer „ZIP code" fragt, wirkt wie ein Tippfehler im Schaufenster.
Vokabular-Splits, die im Shop wirklich auffallen
Diese Begriffe tauchen direkt in Navigation, Produktdetailseite, Warenkorb und Checkout auf — also dort, wo Kaufentscheidungen fallen:
| Kontext | en-GB (UK) | en-US (USA) |
|---|---|---|
| Warenkorb | basket | cart |
| Versand | delivery / dispatch | shipping |
| PLZ-Feld | postcode | ZIP code |
| Region-Feld | county | state |
| Farbe | colour | color |
| Favoriten | favourites | favorites |
| Hose | trousers | pants |
| Pullover | jumper | sweater |
| Sneaker | trainers | sneakers |
Was über einzelne Wörter hinausgeht
Vokabular ist nur die sichtbarste Schicht. Ein glaubwürdiger Sub-Locale berücksichtigt auch:
- Spelling-Systematik: -our vs. -or (colour/color), -ise vs. -ize, -re vs. -er — in Produkttexten, Filtern, E-Mails und Theme-Strings.
- Maße & Größen: UK- und US-Konfektions- sowie Schuhgrößen unterscheiden sich; Größentabellen pro Locale, nicht global gespiegelt.
- Währung & Preisrundung: £ vs. $ mit marktüblicher Rundung (.99 vs. .00) statt mechanischer Umrechnung.
- Datums- & Adressformat: TT/MM/JJJJ vs. MM/TT/JJJJ; county/postcode vs. state/ZIP.
- Steuer & Recht: UK-Preise inkl. VAT, US-Preise oft netto mit Tax at checkout; dazu marktspezifische Hinweise.
- Zahlarten: regional übliche Methoden statt überall identischem Set.
Operativ in Shopify: sauber aufsetzen
- Je Markt einen eigenen Sub-Locale (en-GB, en-US) mit getrennten Translation-Entries.
- hreflang korrekt setzen (en-GB, en-US, x-default) gegen Duplicate-Content.
- Währung und Preise pro Markt inkl. Rundungsregel.
- Geolocation als Vorschlag, nicht Zwang: sichtbarer Country-Selector statt Auto-Redirect.
- Theme-Strings, Metafelder und transaktionale E-Mails einbeziehen.
Der eigentliche Betriebsaufwand liegt danach in der Pflege: Sobald Texte wachsen, driften die Locales auseinander, wenn niemand Konsistenz pro Region prüft.
Der teure Default
Die häufigste Fehlentscheidung ist das bequeme „International English": ein Kompromiss, der für niemanden ganz richtig klingt. Er spart einmal Setup-Zeit und kostet danach dauerhaft an jeder Produktdetailseite und in jedem Checkout.
Du rollst einen Shop in mehrere englischsprachige Märkte aus — oder lieferst für UK und USA dasselbe aus? Gespräch anfragen. Weiter: operative Internationalisierung und Shopify-Technik.